Color der Gespannfahrer Bayern Kinder im Boot!
Gurt oder nicht?


Immer wieder erhalten wir Anfragen zum Thema "Kinder im Seitenwagen". Und auch bei persönlichen Gesprächen wird immer wieder nachgefragt, ob denn die Kinder angeschnallt gehören oder nicht. Es werden Argumente für und gegen die Gurte ausgetauscht. Hier sollen nun einige Anregungen zum Thema gegeben werden. Damit soll auch gleichzeitig eine Diskusssion eröffnet werden. Denn jeder, der seinen Nachwuchs in den Seitenwagen setzt, macht sich so seine Gedanken über die Sicherheit (hoffentlich). Und was hier dargestellt werden kann, ist zunächst mal subjektive Erfahrungen einiger Gespannfahrer gepaart mit einigen Argumenten. Wie aber bei allem hier auf dieser Homepage gilt: Wer immer was zum Thema beitragen kann, ist aufgerufen, dies auch zu tun. Tips und Berichte, die hier veröffentlicht werden, erhalten auf Wunsch auch einen Link auf die Homepage oder die E-Mail-Adresse des Autors und die Nennung des Namens.

Warum ohne Gurt?

Das Hauptargument derer, die sagen, das Kind soll nicht angegurtet werden, ist eigentlich immer das gleiche:
Wenn sich das Gespann überschlägt, soll das Kind weg von Maschine und Boot, damit es nicht zerquetscht wird oder sonst irgendwie eingeklemmt. Ist es aber angeschnallt, wird es mit dem sich überschlagenden Gespann herumgeworfen. Und wenn das Gespann mit den Rädern nach oben liegen bleibt, liegt das Kind darunter.
Da die meisten Gespanne nicht über Überrollbügel verfügen und das Verdeckgestänge nicht stabil genug ist, befürchten manche Gespannfahrer, daß bei einem solchen Überschlag die volle Wucht des Aufschlags vom Kopf des Kinds aufgefangen wird.

Für das Szenario eines Überschlags kann man über ein solches Argument nachdenken. Aber wie wahrscheinlich ist ein Überschlag des ganzen Gespanns im Vergleich zu einem "normalen" Unfall? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, daß man mit dem Gespann mal sehr heftig bremsen muß? Oder daß einem jemand mit dem Auto von hinten auffährt? Oder ein Unfall mit einem seitlichen Aufprall, weil die Silouette eines Gespanns doch kleiner ist als die eines Autos, und Gespanne gerade nachts von der Seite her schlecht erkannt werden? Oder der Gespannfahrer selbst ist mal der, der irgendwo dagegenfährt!

Warum mit Gurt?

Ein Seitenwagen ist in der Regel für einen erwachsenen Mitfahrer konstruiert. Das heißt, daß die Sitze für den sicheren Halt eines kleineren Kindes eigentlich zu breit sind. Und Armablagen, Haltegriffe und all die Einbauten sind für Kinder in jungen Jahren zwar interessant, aber nicht zu erreichen. Und der typische Unfall mit einem Gespann dürfte nicht der Überschlag sein. Daher ergeben sich mehrere Argumente, die aus unserer Sicht für das Angurten von Kindern sprechen, solange die Kinder noch nicht allzu alt sind.

Auf dem Platz bleiben
Manche Gespannfahrer nehmen ihre Kinder ab einem Alter von 2-3 Jahren regelmäßig im Gespann mit. Und wer Kinder in diesem Alter hat oder hatte, weiß, was das für Hampelmänner sein können. Da kann man immer wieder erklären, wie gefährlich es ist, im Seitenwagen aufzustehen. Wenn das Kind alleine im Seitenwagen fährt, weil nur der Fahrer mit Kind unterwegs ist oder weil keine zweite Person in den Seitenwagen paßt, kann man sich bei kleineren Kindern nie sicher sein, daß das Kind nicht doch anfängt, im Seitenwagen rumzuturnen. Die Gründe können da verschieden sein. Entweder ist ein Spielzeug runtergefallen, oder das Kind will irgendeinen Griff ausprobieren oder sonst was. Der Fahrer muß immer ein Auge auf das Kind haben, es eventuell doch mal ermahnen, sich ordentlich hinzusetzen, und man muß sich ja auch noch auf den Straßenverkehr konzentrieren.

Der Aufprall, das Bremsen
Welche Kräfte beim abrupten Bremsen oder bei einem Aufprall freiwerden, kann man sich meist nicht vorstellen. Bei einem Aufprall mit geringer Geschwindigkeit ist kein Erwachsener in der Lage, sich ohne Gurt auf dem Sitz zu halten. Es gab einmal das Experiment mit dem Boxweltmeister Max Schmeling zu seinen besten Zeiten: Er sollte damals mit einem kleinen Wagen eine Rampe runterfahren. Der Wagen wurde am Ende der Rampe durch einen Prellbock schlagartig zum Stehen gebracht. Die Geschwindigkeit des Wagens am Ende der Rampe war unter 50 km/h. Der Spitzensportler sollte sich einfach nur im Wagen halten. Und obwohl er auf die Situation vorbereitet war, hatte er keine Chance und verließ den Wagen mit Schwung.
Bei einem Unfall ist keiner drauf vorbereitet, ein Kind weiß auch nicht, wie es sich verhalten soll. Und welches Kind hat schon Oberarme wie ein Boxweltmeister. Das Kind wird also im günstigsten Fall in den Fußraum des Seitenwagens geschleudert, im ungünstigsten Fall aus dem Seitenwagen herausgeschleudert. Die Verletzungen dürften in beiden Fällen enorm sein. Ist das Kind aber angegurtet, so bleibt das Kind auf dem Sitz, die Kräfte werden durch den Gurt aufgenommen.

Gerade Kinder würden übrigens unter Umständen nicht aus dem Seitenwagen geschleudert, sondern im Fußraum des Seitenwagens landen. Und je nach Konstruktion des Seitenwagens und Größe des Kindes ist die Gefahr sehr groß, daß das Kind mit dem Hals an der Kante des Fußraums hängenbleibt, wo viele Boote ihren Haltebügel oder ähnliches haben.

Knautschzone?
Ein herkömmlicher Seitenwagen bietet keine Knautschzone im Sinne einer Knautschzone beim Auto. Wer meint, das bißchen Blech oder Kunststoff, aus dem das Boot gemacht ist, könnte im Falle eines Unfalls irgendwas abhalten, irrt gewaltig. Hier ist nichts zu wollen. Allenfalls das Gestell, auf dem das Boot montiert, kann je nach Konstruktion einige Kräfte aufnehmen. Im besten Fall führt das Untergestell dazu, daß das Boot nicht zu sehr gequetscht wird und das Gespann "am Stück" durch die Gegend geschoben wird, wenn es zu einem Zusammenstoß mit einem anderen Verkehrsteilnehmer kommt. Und das ist doch schon mal besser als wenn das Kind seine eigene Knautschzone wäre, weil es aus dem Boot geschleudert wurde.

Kindersitze
Bei kleineren Kindern kann es sogar angebracht sein, statt eines Gurtes auch einen richtigen Kindersitz zu montieren. Das Problem ist hier das selbe wie im Auto: Aufgrund der geringen Größe der Kinder kann es dazu kommen, daß Kinder bei einem Aufprall aus dem Gurt rutschen, weil die Haltepunkte des Gurtes nicht für die Größe des Kindes optimiert sind. Und wer will schon alle paar Monate die Haltepunkte für den Gurt seines Kindes im Seitenwagen versetzen. Also lieber den Gurt so installiert, daß sich auch ein Erwachsener damit anschnallen kann, und dann einen entsprechenden Kindersitz installieren. Bei manchen Umbauten (siehe Bildergalerie) für Kinder hat der TÜV sogar extra Gurte bzw. entsprechende Kindersitze vorgeschrieben. Und so wie es aussieht, hat der TÜV hier richtig gedacht.

Und von wegen Befestigungspunkte für den Gurt:
Die Außenhaut eines Seitenwagens ist nie stabil genug, um daran direkt die Gurte zu befestigen, egal, ob es ein Metallboot ist oder ein Kunststoffboot. Die Befestigungspunkte der Gurte müßen im Falle eines Unfalls ungeheure Kräfte aufnehmen. Also da anbringen, wo die Kräfte auch aufgenommen werden können. Aber bitte nicht den Rahmen anbohren. Lieber jemanden fragen, der sich damit auskennt!

Und wieder eine Bitte!
Uns liegen keine Erkenntnisse über Crash-Tests oder wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Gespanne vor. Was hier zusammengeschrieben wurde, sind die Argumente und Überlegungen aus unseren Diskussionen. Hat jemand andere Argumente oder kennt jemand Untersuchungen zum Thema, so sind wir dankbar über jeden Kontakt.
Also: Auf geht´s!